9. Pädagogische Fachtagung
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9. Pädagogische Fachtagung

Freitag, 18. Oktober 2013 - 12:00 bis 15:30

Am Freitag, dem 18. Oktober 2013 / 14.00 bis 17.30 Uhr, fand bereits zum 9. Mal die Pädagogische Fachtagung statt – diesmal in den Räumlichkeiten der NÖ Landwirtschaftskammer, Wiener Straße 64, 3100 Sankt Pölten. 

Termin

18. Oktober 2013
14.00 bis 17.30 Uhr

Ort

Landtagssaal der NÖ Landesregierung 

NÖ Landwirtschaftskammer

Wiener Straße 64

3100 Sankt Pölten (Anfahrtsplan)

Der Schüler als Rohstoff?

Wie schnell und wie billig produzieren wir heute die Arbeitskräfte von morgen?

 

„Jeder von uns ist ein Genie, aber wenn wir einen Fisch danach beurteilen, wie gut er auf Bäume steigen kann, wird er sein Leben lang glauben, dass er dumm ist.“ Mit diesem Zitat Albert Einsteins verdeutliche Landesrätin Mag. Barbara Schwarz im Rahmen ihrer Eröffnungsrede der 9. Pädagogischen Fachtagung zum Thema „Moderne Pädagogik im Spannungsfeld zwischen Individualisierung und Ökonomisierung“ wie wichtig es ist, „dass wir ein Bildungssystem haben, das differenziert, aber nicht, um zu bewerten, sondern, das differenziert, um jedem Kind die bestmögliche Förderung des persönlichen Talentes zu geben“.

 

Die zunehmende Ökonomisierung unseres Bildungswesens unter dem Deckmantel einer modernen Pädagogik lässt kaum Raum für individuelle Förderung. Entscheidend ist, wie schnell und billig Schüler produziert werden. Wissen wird zum produktionsrelevanten Faktor und der Mensch zum Nutzenmaximierer.  

 

Prof. Dr. Jochen Krautz, Bergische Universität Wuppertal, zieht aus diesem Trend die logische Folgerung: Verkürzung der Schulzeit, Senkung der Anforderungsquoten, Inflation der Noten und steigende Arbeitsbelastung von Lehrern. Das funktioniere hier nämlich laut Krautz genauso wie in Industriebetrieben auch, dass das Effizienzmanagement immer auf dem Rücken der Arbeitnehmer hoch getrieben werde.

Und die Bildungsökonomie baue auf dem Menschenbild der modernen Wirtschaftswissenschaft auf – das kurz und knapp, didaktisch reduziert, letzten Endes ein Menschenbild sei, das ganz bewusst den Menschen um all die Anteile, die wir haben – seine Seelenlage, Motivationen und Antriebe – verkürze, um menschliches Verhalten berechenbar zu machen.

 

Diese Funktionalisierung des Menschen dient dazu, ihn steuerbar zu machen. So wird aus Pädagogik Sozialtechnologie. Selbst zwischenmenschliche Beziehung wird dann zur Technik, Dialog heißt dann "Feedback", der Schüler wird zum Rohstoff. Alles Vokabular, das klingt wie einem Managementhandbuch entnommen. Selbst noch die Mutterliebe dient dann dazu, Menschen stressresistent zu machen. 

 

Auch Prof. Dr. Josef Grubner, Vizepräsident der Interessenvertretung der NÖ Familien und inhaltlicher Leiter der Fachtagung bezweifelt, dass sich Bildung tatsächlich ganz einfach in Fabriksmanier produzieren lässt und durch Tests wie beispielsweise PISA, die Qualität in unserem Bildungssystem tatsächlich gesteigert werden könne. „Die Ausführungen von Prof. Krautz haben ins Schwarze getroffen. Er hat den Hintergrund ausgeleuchtet, vor dem sich unsere gegenwärtige Schul- und Bildungspolitik abspielt“, so Grubner. Er fordert den unverzüglichen Stopp der sündteuren Tests und schlägt vor, die frei werdenden Millionen Euro in die Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung zu stecken.

 

Wie wichtig die soziale Komponente im Dialog zwischen Eltern, Kindern und Pädagog/innen ist, bringt Referentin Prof. Dr. Gerda Kysela-Schiemer, Pädagogische Hochschule Wien, mit dem Beispiel Vorlesen auf den Punkt: „Vorlesen ist das Gestalten eines narrativen Erlebnisses.“ Die emotionale Komponente, die zwischenmenschliche Bindung, fehle heute beim Lesen, es sei nur noch ein schneller Weg zu Information. Es sei laut Kysela-Schiemer die Familie, wo nicht nur die früheste, sondern auch die wirksamste Leseförderung und damit das Erlernen der Sprache stattfinde. Vorlesen als Dialog, in dem nicht einfach Information übermittelt wird, sondern indem wir in einer menschlich situierten Konstellation gemeinsam teilhaben an etwas gemeinsam Erlebten.

Und in dieser Situation gehe es eben nicht um Informationsübermittlung, sondern darum, etwas zu erkennen und etwas zu verstehen: selbstständig Denken zu lernen, selbstständig Urteilen zu lernen. Dafür brauche man ein menschliches Gegenüber, welches Kinder nicht nur fördert, sondern auch fordert im eigenen Denken. 

Die Interessenvertretung der NÖ Familien wird sich weiterhin sehr intensiv mit diesem Gedankengut auseinander setzen und leistet mit dieser Fachtagung "Aufklärungsarbeit", weil sie bewusst und absichtlich die Orientierung suchenden Eltern und PädagogInnen aus dem Kindergarten- und Schulbereich aufzuklären versucht, dass manche in der Öffentlichkeit plausibel erscheinende Hilfestellungen für die pädagogische Praxis eigentlich nicht die erwartete Hilfe bringen (können). 

 

Die Pädagogische Fachtagung 2013 wurde von der Interessenvertretung der NÖ Familien in Zusammenarbeit mit der KPH Wien/Krems, der Abteilung Kindergärten für NÖ und mit dem Landesschulrat für NÖ durchgeführt.  

Ablauf

14.00 Uhr - Begrüßung
Dipl. Päd. Erika Adensamer
Präsidentin der NÖ Familieninteressenvertretung

 

14.00 Uhr - Eröffnung
Bildungs- und Familienlandesrätin Mag. Barbara Schwarz
Thematische Einführung durch Prof. Dr. Josef Grubner

Vizepräsident der NÖ Familieninteressenvertretung

14.40 Uhr - Impulsreferat: Vorlesen ist der Schaukelstuhl 
zwischen Lesen- und Schreibenlernen 
(Download)

Mit dem Abenteuer im Kopf beginnt die Bildungsfrage
Prof. Dr. Gerda Kysela-Schiemer, M.A.,
Pädagogische Hochschule Wien

14.40 Uhr - Anfragen an die Referentin mit Publikumsdiskurs

15.40 Uhr - Empfang
gegeben mit freundlicher Unterstützung von Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Gourmet Menü-Service.

16.00 Uhr  - Impulsreferat: (Sich) bilden oder funktionieren  (Download)

In welche Richtung sind wir unterwegs?
Prof. Dr. Jochen Krautz,
Alanus Hochschule f. Kunst u. Gesellschaft Bonn

16.00Uhr - Anfragen an den Referenten mit Publikumsdiskurs

17.00 Uhr - Tagungsresümee

Kontakt

Interessenvertretung der NÖ Familien
Landhausplatz 1, Haus 1, Top 2,

3109 St. Pölten

Tel.: +43 2742 / 9005 -16499
FAX: +43 2742 / 9005 -16290

Mail: interessen.familie@noel.gv.at
Homepage: www.interessen-noefamilien.at

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